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"nochmals hoffend". Roman zu Paul Klee

Guy Wagner veröffentlicht Roman zu Paul Klee

‘nochmals hoffend’ heißt ein ‘Roman zu Paul Klee’, den der Luxemburger Publizist Guy Wagner, unseren Lesern als extrem sachkundiger Rezensent vieler CD- und DV-Aufnahmen bekannt, beim Rombach Verlag herausgegeben hat. Der Titel geht auf ein Aquarell des Künstlers zurück, das der Maler ein Jahr vor seinem Tode schuf und das im ‘Museum Sammlung Rosengart’ in Luzern seine Heimstätte gefunden hat. Über Paul Klee (1879-1940), im Nazi-Deutschland als Entarteter geächtet, im schweizerischen Exil von einer todbringenden Systemsklerose heimgesucht, erschienen wohl zahllose Kunstbücher, aber sein Leben, über das er selber in seinen Tagebüchern ausgiebig berichtet hat, wurde bislang literarisch nicht aufgearbeitet. Das unternahm jetzt Guy Wagner mit seinem Roman, der dem Leser den Menschen und Künstler Paul Klee in einer sehr direkten Sprache, in der Ich-Form nahe bringt. Guy Wagner hat sich ungemein gut in die komplexe Figur eingelebt und das Buch liest man wie in einem Sog.

Remy Franck (Pizzicato, 4. März 2014)


Erstaunliche Parallelen

„nochmals hoffend“ lautet der Titel von Guy Wagners Roman zu Paul Klee, der jetzt im deutschen Rombach Verlag erschienen ist und den Leser mit auf eine Zeitreise in die 30er-Jahre des letzten Jahrhunderts nimmt.

Engel, meine Engel, die ihr mir von Kindheit an so lieb seid, wo, ja wo, aber wo seid ihr? Warum greift ihr jetzt nicht ein und verhindert, was dabei ist zu geschehen? Heute, am Montag, den 30. Januar 1933, wird Adolf Hitler, der Schreihals aus Braunau am Inn, deutscher Reichskanzler.
Der, den ich mit Fettkreide schon 1931 als stamtischler skizziert und damit meinen Abscheu für ihn ausgedrückt habe, ist nun an der Macht.“ Mit diesen Sätzen beginnt der neue Roman des Schriftstellers und Kritikers Guy Wagner, der kürzlich im Casino für zeitgenössische Kunst in Luxemburg vorgestellt wurde, wo Charles Muller, Direktor des Escher Theaters, vor gut gefülltem Saal aus dem Werk vorlas.
„nochmals hoffend“ ist, nach „Winterreise“ und „Die Heimkehr. Vom Leben und Sterben des Gustav Mahler“ der dritte Roman des Autors, der sich auf internationaler Ebene einen Namen als Theodorakis-Biograf gemacht hat. Er befasst sich mit den letzten Lebensjahren eines der bedeutendsten Künstler des 20. Jahrhunderts, Paul Klee (1879-1940). Angeregt zu dem Roman wurde Wagner 2010 durch einen Besuch im Luzerner Museum der „Sammlung Rosengart“. Hier fiel ihm ein Aquarell Klees aus dem Jahr 1939 auf, das, so der Autor „von ergreifender Schönheit und Aussagekraft ist“.

„Rein Persönliches“

„nochmals hoffend“ hatte Klee das Bild betitelt, das auch die Coverseite des Buches ziert. Wagner wollte mit dem Roman nicht eine zusätzliche Biografie oder eine Werkanalyse schreiben, sondern in Buchform „rein Persönliches“ zu dem Künstler, der ab 1933 vom Nazi-Regime zu den „Entarteten“ gezählt wurde, herausbringen. Erzählt wird die Geschichte in der ersten Person Singular, so dass der Leser den Eindruck bekommt, als würde er eine Art Tagebuch Klees vor sich haben. In dem hervorragend geschriebenen Roman verarbeitet der Autor auch eine ganze Reihe von Auszügen aus Briefen und anderen persönlichen Dokumenten des Künstlers.
„nochmals hoffend“ weist erstaunliche Parallelen zwischen dem Schicksal Klees und seinem Heimatland in der Zeit zwischen 1933 und 1940 auf.

François Besch (Tageblatt, 13. März 2014)


Auf den Spuren eines erstaunlichen Parallelismus

... Die gewählte Ich-Erzählform erlaubt es dem Autor, unterschiedliche Quellen, Auszüge aus Klees Erklärungen, Briefen, Tagebüchern und und Tachenkalender-eintragungen, zu einem berührenden Dokument der doppelten Betroffenheit zu verflechten. Dabei ging es ihm nicht darum, eine weitere Biographie oder Werkanalyse zu verfassen, auch wenn dank seiner Sorgfalt und akribischen Recherche der biographische Aspekt dann doch ein wesentlicher Bestandteil des Romans ist, was dem Leser durchaus entgegen­kommt - genau wie die Kurzfassung von Klees Le­ben und Schaffen im An­hang. Auffallend ist dabei, wie absolut klar der 1879 bei Bern geborene Künstler die politische Entwicklung in Deutschland und die da­raus resultierenden Konse­quenzen für Europa und da­rüber hinaus analysierte bzw. voraussah.

Wichtiger als das eigene Leben

Als einer der „Entarteten" war er natürlich direkt betroffen und verbrachte denn auch seine letzten Lebensjahre im schweizerischen Exil in Bern, wo er die bittere Erfahrung der eigenen Machtlosigkeit machte. Nicht wegen mangelnder Courage, sondern wegen seines versagenden Körpers, wegen einer mysteriö­sen Krankheit, die ihn zu­nehmend schwächte und deren tödlichen Ausgang er ahnte. Was trotz der immer wieder schmerzlich erlebten Hilflosigkeit eine intensive Schaffensphase bei ihm auslöste im Bewusstsein, dass die Zeit ihm durch die Finger rann.
Faszinierend bei Guy Wagners literarischer und von persönlicher Empathie geprägten Verarbeitung des dokumentarischen Materials ist die Art und Weise, wie die gewählte Form gleichzeitig diese direkte Betroffenheit vermittelt und doch genug Distanz schafft, um ein Abgleiten in das der Situation inhärente Pathos zu verhindern. Was nicht zuletzt auch damit zu tun hat, dass für einen Künstler von Paul Klees Bedeutung und Produktivität (er hinterließ über 9.000 Werke, als er 1940 60-jährig starb), das Werk wichtiger ist, als das eigene Leben, denn es ist das Werk, das weiterlebt. Und, wie wir aus unserer heutigen Perspektive wissen, auch über die braunen Barbaren triumphiert hat.

Josiane Kartheiser (Livres / Bücher, 21. März 2014)


Guy Wagner "nochmals hoffend"

Spätestens mit seinem Schubert-Roman „Die Winterreise" offenbarte Guy Wagner seine besondere Fähigkeit der Einfühlung in andere Menschen, was seine Romangestalten besonders lebendig und blutvoll macht. In seinem neuen Roman "nochmals hoffend" stellt er zudem sein breites Interessenspektrum unter Beweis.

Diesmal ist es nicht die Musik, sondern die Malerei, der Maler Paul Klee mit seiner Lebensgeschichte und ihren Brechungen. In seinem kurzen Vorwort beschreibt Guy Wagner ein Aquarell von Klee aus dem Jahre 1939. Wagner entdeckte es 2010 im Luzerner Museum für die „Sammlung Rosengarten". Als Klee dieses Bild malte, litt er bereits an einer seltenen unheilbaren Krankheit, und dieses in Blau, Schwarz und Grün gehaltene Bild, Ausdruck eines Leidensweges, wirkte nach eigener Aussage so stark auf den Autor, dass es ihn nicht wieder losließ.

Die Beschreibung dieses Werkes, dem Wagner Hilflosigkeit Resignation aber auch ein Hauch wunschvoller Hoffnung abliest, erfasst und erschüttert den Leser. Er kann nachvollziehen, wie dieses Aquarell, das den Umschlag des Buches ziert, einen so sensiblen Autor dazu anregte, sich in den Menschen und Maler Paul Klee, sein Geschick in schicksalhafter Zeit hineinzuversetzen. Bewusst wählte Wagner die Romanform in der ersten Person. Eine weitere dokumentarische Biographie zu schreiben, war nicht sein Anliegen; Nähe schaffen, das kann nur Literatur. „Menschentier. Uhr aus Blut", Worte von Klee, die Wagner voranstellt, drücken aus, worum es ihm ging. Klee war über die Malerei hinaus musikalisch wie literarisch interessiert und aktiv. Er hat viele Aufzeichnungen hinterlassen, Tagebücher, Briefe, Lyrik, die Wagner in seine Ich- Erzählung einbezieht.

So erfährt der Leser nicht nur eine Lebensgeschichte, sondern die Innenschau dieser Lebensgeschichte. Und die hat es in sich. Klee wurde im Dezember 1879 bei Bern geboren. Heimat seiner Mutter, einer Sängerin, die ihren deutschen Ehemann, einen Musiker, zur Umsiedlung in die Schweiz bewegen konnte, wo die Kinder, Paul und seine ältere Schwester Mathilde aufwuchsen. Die Mutter starb früh an einer Lähmung, die mit der späteren Erkrankung des Sohnes wohl auf eine genetische Veranlagung hinweist. Mit dem autoritären Vater verband den Sohn ein schwieriges Verhältnis. Der Vater sah den Sohn in der Musik, für die Paul mit seinem Geigenspiel wohl alle Voraussetzungen mitbrachte, aber Begabte haben bekanntlich oft mehrere Begabungen, und so zog es den Jungen zur Malerei.

Der Sog eines großen Talentes, das Paul Klee zu einem der bedeutendsten Maler des 20. Jarhunderts machte. Guy Wagners Schilderungen der kindlichen Umsetzung von Erlebnissen auf dem Malpapier, der Tod der geliebten Großmutter zum Beispiel, verdeutlicht, wie hier frühzeitig die Weichen vom Kind selbst, dem jungen Menschen gestellt wurden. Seine Ausbildung suchte er selbst sich in München, genoss sein junges Boheme-Leben und begegnete seiner späteren Ehefrau. München war prägend und führte ihn mit Künstlergruppierungen wie die „Blauen Reiter*' zusammen, mit August Macke, Franz Marc, Gropius vom Bauhaus, Kandinsky, Gabriele Münter u.a. Begwegnungen und Einflüsse, die ihn zu immer neuen Techniken inspirierten.

Kurz vor dem Ersten Weltkrieg bewirkte eine Reise gemeinsam mit Malerfreunden nach Tunesien und durch Italien den Durchbruch zum Farbmalen, für ihn eine überwältigende Entdeckung, die er regelrecht bejubelte. In Paris machte er Bekanntschaft mit den Expressionisten. Wagner geht ausführlich darauf ein, auf Strömungen, Entwicklungen und Einflüsse, seine Integration in die großartige Kunstwelt vor der Zäsur des Krieges. Ihm selbst blieben zwar die tödlichsten Abschnitte erspart, aber der Krieg riss auch für ihn tiefe Lücken. Zu den ersten Gefallenen gehörten Macke und Marc.

„The dark ages" nennt man in England das Mittelalter. Jemand, der in das 20 Jahrhundert hineingeboren wurde, betrat zwar nicht das Mittelalter aber eine sehr dunkle Zeit. Und Paul Klee erlebte die aufziehende Gewitterfront bereits in den zwanziger Jahren während seiner Lehrtätigkeit am Bauhaus, wohin Gropius ihn geholt hatte, zunächst nach Weimar, dann nach Dessau. In den wachsenden Rechtsströmungen hatte moderne Kunst einen zunehmend schweren Stand. Bis zu ihrer Ächtung und Verbannung als „entartet" war es nur noch ein Schritt. SA-Atmosphäre, die „braune Pest" auf dem Vormarsch, schon vor Hitlers Machtergreifung. Was der folgte, muss an dieser Stelle nicht wiederholt werden. „Erst die Bücher, nun die Bilder und morgen die Menschen?" fragt Paul Klee. Eine besdrückende Zeit bricht an. die für Klee selbst kein Ende mehr nehmen soll, trotz großer Ausstellungserfolge bis hin zum New Yorker Museum of Modern Art. Seine Emigration in die Schweiz macht ihn nicht glücklich, zu wenig Kunstverständnis, zu behäbig. Dennoch wünscht er sich brennend die Einbürgerung, die er nicht mehr erlebt. Seine letzten Jahre sind Leidensjahre an einer rätselhaften Krankheit. Ein Ringen zwischem schöpferischem Dasein und dem Tod.

Guy Wagner folgt diesem Leben mit großer Sensibilität, bis hin zur letzten Sterbeszene. Der Leser ahnt Gedanken und Empfindungen dieser äußersten Identifizierung. Neben dem menschlichen Erleben und Miterleben, das hier in klarer, eindrucksvoller Sprache abrollt, bietet das Buch viel Wissenswertes sowohl zu den Werken dieses großen Malers wie zu dem Weg dorthin, „nochmals hoffend" ist ein wichtiger, wertvoller Roman.

Margret Steckel (Kulturradio 100,7)


Ich - Paul Klee, schreibt Guy Wagner

[...] Die Lektüre des Buches  hat mir ungeachtet gewisser sprachlicher Brüche viel Freude gemacht, und das nicht, weil es mir die Nazikriminalität auseinandersetzte, sondern weil ich darin ein Menge über den Künstler Klee erfuhr. Guy Wagner hat sorgfältig recherchiert, mit Liebe zur Kunst geschrieben. So komme ich einem Menschen nahe, der in der Kunst einen besonderen, einen – mit einem heutigen Wort – authentischen Weg gefunden hat, sich bildlich auszudrücken, etwas Einzigartiges schuf. Ein Bild von Klee erkennt  der Betrachter sofort, und doch gleicht keines völlig dem andern, unter den Tausenden, die er gemalt hat.

Darüber hinaus bringt mir Guy Wagner erzählend die Krankheit des Künstlers nahe, eine unheilbare, ja, damals unbekannte Form einer Autoimmunkrankheit, der System-Sklerose. Fast bis zuletzt schaffte der Maler es, Bilder zu produzieren, ohne irgendwie in seinem Anspruch und im Ergebnis nachzulassen. Das ist es jedenfalls, was ich aus dem Buch, aus Wagners „Ich-Biografie“ herauslese.

Was ich nicht gefunden habe, ist das eigentlich „Persönliche zu Klee“, das Guy Wagner, wie er eingangs sagte, zu seiner Reise in das Ich eines anderen veranlasst hatte. Innerhalb des „Ich“ bleibt offenbar kein Raum für Zwei. Könnte es sein, dass die tiefe Einfühlung in den andern, der gegen eine unheilbare Krankheit ankämpfte, den Verfasser selbst stärkt, ihm die Kraft verleiht, dieses Buch zu schreiben, es noch einmal gelingen zu lassen, allen Krankheiten zum Trotz? Darüber schreibt er nicht.

Barbara Höhfeld (kulturissimo 127 - April 2014)
Gesamtrezension


Feinfühliges Psychogramm


Malen und Zeichnen gegen die Zeit

[...¨] Die Handlung wird als Ich-Erzählung vermittelt, wobei Dokumentarisches, wie Auszüge aus Klees Erklärungen, Briefen, Tagebüchern und Taschenkalendereinträgen mit einfließen, ebenso wie Rückblenden auf sein Leben und Schaffen bis zu Hitlers Machtübernahme, sowie Gedanken zu seinem Exil und seiner Krankheit.

Guy Wagner verknüpft dabei auf ebenso geschickte wie sensible Art den fortschreitenden Krankheitsprozess des Künstlers mit der »krankhafte[n] politische[n] Entwicklung seines deutschen Heimatlandes ab 1933« (Vorgabe, S. 8), und auf diese Weise tun sich frappierend-aufschlussreiche, parallele Bezüge zwischen dem Gesundheitszustand des Künstlers und der politischen Weltlage auf: »Mir geht's wie der Welt. Meine Lage verschlechtert sich wie ihre.« (S. 113)

Guy Wagner gelingt mit seinem Roman eine ganz außergewöhnliche, überaus empfindsame literarische Annäherung an den von ihm hochverehrten Künstler, ein feinfühliges Psychogramm, getragen von einer augenscheinlich ganz persönlichen Empathie sowie einem ungemeinen Feingefühl und Gespür für dessen nicht einfachen Lebens- und Schaffensweg, besonders während der letzten Jahre, wo Klee ständig hin und hergerissen war zwischen schaffensfroher Hoffnung und schwermütiger Re­signation.

Die chronologisch strukturierte Handlung (1933-1940) vermittelt neben den entscheidenden Stationen der Künstlervita auch ein schillerndes Panorama des gesellschaftlichen, politischen, und vor allem auch kulturellen Lebens der ersten vier Jahrzehnte des 20. Jahrhunderts in Europa, wobei im Übrigen auch Luxemburg im Kontext des deutschen Überfalls im Ersten und Zweiten Weltkriegs erwähnt wird.

Inspiriert zu seinem Roman wurde Guy Wagner übrigens durch Paul Klees Aquarell mit dem Titel »nochmals hoffend« (1939) anlässlich einer Besichtigung des Luzerner Museums im Jahre 2010.

Eine in dieser Form bisher sicherlich einmalige literarische Annäherung an den großen Künstler Paul Klee.

Jeff Baden
Luxemburger Wort, 12. April 2014

 

Wagner Guy: „Nochmals hoffend“ Roman zu Paul Klee. Rombach-Verlag, Freiburg/Breisgau, 2014, 180 Seiten, 14,80


Daß der mittlerweile 76-jährige Autor ein Passionierter von Lebensläufen besonderer Persönlichkeiten ist, kann man der Liste seiner Hauptwerke entnehmen: Theodorakis, Mozart, Korngold, Mahler, Schubert - alles bedeutende Musiker - aber auch Kirscht (der Luxemburger Maler) hat ihn fasziniert - gelegentlich wechselte Wagner die Gestaltungsform, rückte er ab vom rein Dokumentarischen und wagte sich an die romanhafte Bewältigung seines Stoffes.

Nun hat er, im renommierten Rombach-Verlag, ein Klee-Buch, vorge­legt, das eben eher ein Roman als eine rein historische Biographie ist.

Anhand der vorliegenden Materialien (gedruckter und ungedruckter) wird der Versuch gewagt, ein Leben „nach­zuerzählen“, das repräsentativ für den leidenden, geschundenen Maler deutscher Nation ist - der im schrecklichen 20. Jahrhundert zu leben, zu wirken und zu kämpfen hatte.

Paul Klee, der resolute Erneuerer, der zum Entarteten par excellence Degradierte, der ins Exil Getriebene, der jahrzehntelang Schwerkranke, der Unbeugsame - diese komplexe Figur hat sich Wagner wohl als besonders Gedemütigter, Heimatloser und Den­noch-Hoffender „gezeigt“.

Dem eifrigen Datensammler und furchtlosen Zusammenträger von archivalisch erhaltenen „Spuren“ haben sich sowohl die „äußeren“ als die „inneren“ Bewegungen, die Klee heimsuchten, so dargeboten, daß Guy Wagner die Wissenslücken, die es nun mal gibt, fast blindlings überbrücken konnte. Sein (vielfach erprobtes) Einfühlungsvermögen hat ihn vor „ungerechten“ Beurteilungen und Meinungen geschützt - hat ihn eher beflügelt, mutig Fäden zu spinnen, die einen Flickenteppich ergeben. Diesen Flickenteppich nimmt den Leser wie eine Horrorgeschichte gefangen.

Ich glaube, ich habe keines der Bücher von Guy Wagner mit derartig gespanntem und staunendem Interesse für die Detailfülle {etwa die medizinischen Fachimponderabilien) gelesen, wie diese Schilderung einer Vita, die uns in keinem Moment „überrascht“, aber ständig das Fürchten lehrt.

Klee war ein besessener Widerstandsmärtyrer: - sicherlich, einer von sehr vielen! Und damals der vielleicht einzige, der sich derart verbissen von den Arbeitsbezirken in die Krankheits­- und Sterbesmühlen zubewegte.

Cornel Meder
Galerie, (31) 617/618

Originalansicht

Le Jeudi, 3 juilllet 2014

 

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<klee

Buchcover

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